Erfahrungsberichte

Rechtzeitig noch die Kurve gekriegt

Thomas K., 42 Jahre, verheiratet, zweifacher Familienvater:
Obwohl es ein schwerer Schritt für mich war, habe ich gekündigt. Mir hat meine Arbeit schon Spaß gemacht, aber ich konnte einfach nicht mehr abschalten. Schlaflose Nächte waren die Regel, rückte der Sonntagabend näher, wurde mir regelrecht schlecht, wenn ich nur daran dachte, morgen wieder ins Büro zu müssen.
Besonders belastet hat mich das Arbeiten in einem Großraumbüro, was am Anfang überhaupt kein Problem für mich war. Zuerst hatte ich nur Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren, doch das wurde immer schlimmer. Ich konnte mir kaum mehr etwas merken und vergaß sogar die einfachsten Dinge. Hinzu kamen Kopfschmerzen und immer wieder auftretende Infektionskrankheiten.
Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf mein Privatleben. Ich war permanent gereizt, übellaunig und meine Familie litt unter meiner schlechten Stimmung. Ich habe kaum noch gelacht und konnte mich über gar nichts mehr freuen.
Als dann auch noch unerklärliche Panikattacken auftauchten, wenn beispielsweise das Telefon klingelte oder ich zu Besprechungen sollte, zog ich die Reißleine: ich habe gekündigt.
In der nun folgenden Auszeit habe ich begonnen, mir selbst wieder mehr Raum einzuräumen. Leicht war das nicht – und alleine hätte ich das nicht geschafft. Dank professioneller Unterstützung habe ich gelernt, wieder gut für mich zu sorgen und meinen Bedürfnissen Aufmerksamkeit zu schenken.
Ich habe nun einen Job, der besser zu meiner Persönlichkeitsstruktur passt. Zwar verdiene ich nicht mehr ganz so gut, aber das ist mir meine Gesundheit wert!

 

Mein Leben ging Schritt für Schritt zu Bruch

Margarethe S., 52 Jahre, geschieden:
Mein Stundensatz lag bei 350 Euro. Internationales Steuerrecht bei einer weltweit führenden Unternehmensberatungsgesellschaft. Meetings bis spät in die Nacht, wenn bei uns Schlafenszeit war, hatten unsere Klienten gerade wichtige Besprechungen – da musste ich natürlich live zugeschalten werden. Dann kam ein Projekt, das mich alles kostete: Meine Mitarbeiter und ich sollten ein Konzept erarbeiten, um einen Global Player als Klient zu gewinnen. Wir saßen Tag und Nacht an der Präsentation, für mich zählte nichts anderes mehr. Mein Mann beklagte sich anfangs noch, doch irgendwann war er einfach nicht mehr da. Ausgezogen – ohne dass ich es richtig gemerkt hatte. Ich lebte nur noch für das Projekt! Kopfschmerzen, Herzrasen, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit – das alles wischte ich beiseite, dafür hatte ich jetzt keine Zeit.
Und dann war auf einmal der große Tag gekommen: die Präsentation in Chicago. Ich stand im Besprechungsraum und blickte in die erwartungsvollen Gesichter. Bei mir war dann Schluss! Ich hatte einen kompletten Blackout und brach zusammen. Vor versammelter Mannschaft. Es war so demütigend und peinlich. Danach hatte ich Angstattacken und traute mich nirgendwo mehr hin. Ich realisierte, dass mein Mann nicht mehr da war, das gab mir den Rest. Meine Nachbarn riefen den Krankenwagen und ich wurde eingewiesen.
Ich verlor nicht nur meinen Mann sondern auch meine Job, meine Selbstsicherheit und mein Vertrauen in mich. Ich bin arbeitsunfähig und immer noch in Therapie. Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder werde arbeiten können. Trotzdem geht es bergauf. Ich konnte meinem Leben einen neuen Sinn geben, ich engagiere mich im Tierschutz und das gibt mir viel. Ich merke jedoch, wie ich immer wieder in alte Muster verfalle und mich und meine Bedürfnisse vernachlässige. Es liegt noch ein langer Weg vor mir…